theologischer Ansatz - Markus Beile

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Thesen zu Religion im Allgemeinen und dem Christentum im Besonderen

1. Menschliches Dasein ist gekennzeichnet durch das Streben nach Welterschließung und Selbstdeutung. Was ist der Mensch?, fragt der Philosoph Immanuel Kant. Was kann er wissen? Was soll er tun? Worauf darf er hoffen? Um die Welt zu erschließen und sich selbst zu deuten, hat der Mensch unterschiedliche Weltsichten entwickelt.

2. Religiöse Weltsicht hat einen spezifischen Charakter. Kennzeichnend für sie ist das Staunen: Dass es die Welt überhaupt gibt. Wie ungeheuer groß und vielfältig sie ist. Wie überwältigend schön sie in besonderen Momenten sein kann. Religiöse Weltsicht betrachtet die Wirklichkeit als ein im Letzten unergründliches Geheimnis. Sie ist in diesem Sinne Weltdeutung als "Sinn und Geschmack für das Unendliche" (Friedrich Schleiermacher).

3. Die religiöse Sprache ist von daher notwendigerweise metaphorisch-symbolisch. Man kann sie als "Mythopoesie" (Hartwig Thyen) bezeichnen.

4. Religionen sind komplexe Systeme, die sich im Laufe der Geschichte entwickelt haben. Das Christentum ist ein solches religiöses System.

5. Religiöse Systeme sind immer zeitbezogen und zeitbedingt. Sie verändern sich und entwickeln sich weiter, indem sie auf neue Herausforderungen reagieren. Tun sie das nicht, sterben sie im Laufe der Zeit ab.

6. Das Christentum in der Spätmoderne steht genau in dieser Gefahr. Es findet keine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Spätmoderne und ihren Weltdeutungen und -sichten (Naturwissenschaften, andere Religionen, Wertewandel) statt. Stattdessen betreibt das Christentum derzeit vor allem Traditionspflege und beharrt auf seinem traditionellen Absolutheitsanspruch. Das führt dazu, dass es sich von der spätmodernen pluralen Gesellschaft immer weiter abkoppelt.

7. Will das Christentum überleben, muss es sich umfassend reformieren. Im inhaltlichen Bereich ist meiner Meinung nach eine Transformation hin zu einem transtheistischen Gottesverständnis sowie eine neue Ausrichtung an Jesu Utopie einer heilen Welt, die er "Reich Gottes" genannt hat, notwendig. Im Bereich der Praxis braucht es im Christentum lebendige Gemeinschaften, denen es darum geht, die Utopie Jesu in ihrem Leben umzusetzen, sowie eine neue Spiritualität, die der inhaltlichen Neupositionierung und den religiösen Bedürfnissen der heutigen Menschen gleichermaßen gerecht wird.  
"Religiosität besteht darin, dass man hinter allem, was man erfahren kann, etwas erahnt, das unser Verstand nicht greifen kann;
etwas, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur indirekt erreicht" (Albert Einstein)
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